Die Lust wieder eine Kamera auszuprobieren ließ mich verleiten nun doch nach vielen Jahren den Griff zur Seagull zu tun. Klar, der heilige Gral wäre eine Rolleiflex, aber nur so aus Spaß ist mir der Invest zu hoch.
Mir wurde eine Seagull 4A angeboten – nach kurzer Recherche kam ich zu dem Entschluss es mit ihr zu probieren. Anscheinend wurde diese ältere Version etwas hochwertiger verarbeitet. Nun ist sie in meinen Händen und Mangels Vergleich kann ich das nicht bestätigen, aber sie fühlt sich durchaus wertig an. Wenn ich davon ausgehe, dass mein Exemplar so +/- 50 Jahre alt ist, gibt es wirklich nichts zu meckern.
Bei meinen Recherchen habe ich gesehen, dass sie 1982 für 179,- DM verkauft wurde.
Die Zeiten vom Verschluß hören sich plausibel an und auch Blende und Linsen sind sauber. Die Optik scheint nicht die „hellste Kerze im Baum“ zu sein – was sich auch bestätigte – aber sie liefert ordentlich mit einen besonderen analogen Flair.
Der große Falz in der Rückwand benötigt keine ausgeprägten Lichtdichtungen. Hier war kein Handlungsbedarf nötig.
Also gleich einen Fomapan 400 „action“ eingelegt und raus zum fotografieren. Action ist naturgemäß wirklich klein geschrieben mit so einem Modell. In der Sonne ist der 400 vielleicht doch etwas überdimensioniert – egal…
Die Linien im Sucher helfen sehr gut bei der Ausrichtung. Da alles seitenverkehrt angezeigt wird, ist das waagrechte Ausrichten etwas ungewohnt. 
Zur Unterstützung gibt es eine Lupe und für echte „Action“ einen quadratischen „Durchguck“, Sportsucher genannt.
Einen Belichtungsmesser gibt es leider nicht, also schätzen oder externe Hilfe holen. (Dafür hat sie niemals Batterieprobleme.)
Am Transporthebel ist ein kleiner Knopf. Damit kann der Verschluss entspannt werden. Dem scheint es nicht zu bekommen, wenn die Kamera mit gespanntem Verschluss weggelegt wird. Nebenbei ermöglicht dies auch eine Doppelbelichtung.
Im Knebel zur Entfernungseinstellung ist stylish integriert die Tiefenschärfe-Skala. Was meinem Exemplar fehlt ist der Zubehörschuh. Der kam wohl erst später.
Die Seagull zählt schön die Aufnahmen mit und bei 12 ist erwartungsgemäß Schluss. Ob das nur bei meiner ist, kann ich nicht sagen, aber die Lücke zwischen den Bildern ist recht groß. Da geht sie reichlich mit dem Material um. Aber die 12 Bilder haben gepasst. Das ist was zählt.
Datierung: um 1970-1990
Technische Daten:
Gehäusematerial: Metall
Maße: B 9,5 cm x H 14, cm x T 9,8 cm
Gewicht: 998g
Zweiäugige Spiegelreflexkamera TLR, 120 Rollfilm (12 Bilder)
Optik: Haiou-31 3,5/75 mm (4 Elemente in 3 Gruppen)
Verschluss mechanischer Zentralverschluss, 1/300 bis 1 Sekunde und B

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