Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2021 ist sie nun fertig, die U-Strab in Karlsruhe. 2002 entschied sich die Karlsruher Bevölkerung mit einer knappen Mehrheit für den Bau der Kombilösung. Damals war noch eine Summe von um die 500 Millionen Euro im Raum. Knapp 20 Jahre und 1,5 Milliarden Euro später ist die in Beton gegossene Kathedrale unter der Erde fertig geworden.
2004 gewannen das Münchener Architekturbüro „Allmann Sattler Wappner“ und der Designer Ingo Maurer den Wettbewerb für das Gestaltungskonzept. Baubeginn war dann 2010. Wie so oft gab es unerwartete Probleme wie Mauern im Untergrund, Wasser in Haltestellen, Kostensteigerungen im Baugewerbe… Dazu kam die Insolvenz des Bauunternehmens Alpine, die für weitere Unwägbarkeiten sorgte.
Juni 2018 konnte die Öffentlichkeit zum ersten Mal den Tunnel erkunden:

Nun sind die sieben Haltestellen fertig und haben trotz der unbunten Gestaltung einen gewissen Flair. Hell und geradlinig wirken die Haltestellenbereiche. Einzige Farbtupfer sind Leuchten, die als Effektbeleuchtung dreifarbige Schatten werfen. (Abgesehen von den Rettungssäulen und den Fahrkartenautomaten.)
Apropos Kathedrale: die sakralen Elemente werden vierzehn Keramikreliefs von Markus Lüpertz sein, der „Genesis“ – diese folgen in diesem Jahr.

Das Lichtkonzept wird poetisch so beschrieben:
In einer Anordnung von drei nebeneinander und zwei übereinander liegenden Seilen wirkt die Lichtkonstruktion – je nach Blickachse der Fahrgäste – wie feinsinnig arrangierte Noten einer Symphonie. Darin integriert sind LED-Leuchten, die über Form und Verteilung den Haltestellenraum beleben und Elektrizität spürbar werden lassen.
Offen gestanden, als ich die Haltestelle zum ersten Mal sah, dachte ich das sei die Baustellenbeleuchtung – aber die professionelle Ausführung machte mich stutzig.

Aus fotografischer Sicht mag ich die Zentralperspektive. Zunächst fürchtete ich, in Karlsruhe habe ich keine Chance – aber die Übergänge in den Stationen bieten den passenden Blick durchs Fenster.
Da ich mich noch nicht mit Fotos maskentragender Menschen anfreunden kann, und ich die kühle Nüchternheit des Bauwerks sprechen lassen wollte, habe ich mich an diesem Sonntag zeitig aufgemacht und tatsächlich eine überschaubare Anzahl Personen in den Haltestellen vorgefunden. Gleichzeitig konnte ich auch ein wenig meinem Treppen-Fetisch frönen.
Leider sind ja alle Haltestellen identisch gestaltet; also kennt man eine – kennt man alle. Ich war zum fotografieren am Europa- und Marktplatz. Alle Aufnahmen nur gering nachbearbeitet und mit Acros-Filmsimulation erstellt.


 

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